Ein Textil hat unterschiedlichste Eigenschaften: Gewicht, Textur, Farbe, Muster, Materialzusammensetzung, Bindung, Atmungsaktivität, Dicke ... und jedes Textil riecht. Es riecht nach der verarbeiteten Faser, nach der Art der Verarbeitung und den Menschen, die es in der Hand hatten, sowie nach Färbemitteln und Appreturen. Je nachdem, was ein Textil „erlebt“ hat, verändert sich sein Geruch. Die Aromen von Wolle, Seide und Baumwolle sind so vielfältig, wie die Anwendungsgebiete der Stoffe. Anders als die Farbe oder die Größe eines Objektes, können wir einen präsenten Geruch nicht ignorieren. Wenn wir ein Klei- dungsstück tragen, begleitet uns sein Aroma durch den ganzen Tag. Es entwickelt sich und kann über den Tag hinweg unterschiedliche Reaktionen in uns auslösen. Am Ende des Tages hat ein T-Shirt unseren Körpergeruch, Düfte von Pflegeprodukten und die Gerüche der Situationen, in welchen wir uns befunden haben, angenommen. Es riecht nun nicht mehr nur nach Baumwolle, Schrank und Waschmittel, sondern nach unserem Schweiß und Hautfett, Hormonen und Botenstoffen. Eventuell auch nach Frittenöl, Lagerfeuer oder Desinfektionsmittel. Jeder Tag gibt dem Textil eine andere olfaktorische Geschichte, die es erzählen kann. Die vielfältigen und komplexen Aromen, welche sich in ein und demselben Material entwickeln können, sind das Thema meiner Arbeit „ALBUM ODOR“. Dabei geht es mir primär darum, die materialtypischen Aromen erlebbar zu machen. Außerdem stelle ich Situationen olfaktorisch nach, die Hinweise auf die Geschichte eines Textils geben können und spüre meinen ganz persönlichen textilbezogenen Dufterinnerungen nach.